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Nov 04

Tanzende Bäuche in der Mensa

Throngemeinschaft der Schützen überrascht Königspaar und Besucher

Samstagabend. Partystimmung in der Mensa des Gymnasiums. Kaum wiederzuerkennen ist der ansonsten nüchterne Raum, den Offiziere, Unteroffiziere und Throndamen der Oerlinghausener Schützengesellschaft mit überdimensionalen Bildern, Fahnenschmuck und allerlei Schützen-Details in einen festlichen Saal verwandelt haben. Dass sich in der Aula gleich nebenan Kurioses abspielt, ahnen die meisten der mehr als 200 Besucher nicht.

Geheim, äußerst geheim ist das, was dort passiert. „Schon bei den Proben ist eine strikte Eingangssperre verhängt worden“, berichtet Presseoffizier Patrick Bockwinkel. Schließlich sollte im Vorfeld nicht die kleinste Kleinigkeit nach außen dringen. „Harry braucht noch Haare“, hallt es nun kurz vor dem Auftritt  durch den Raum. Sarai Hanning malt mit rotem Lippenstift Münder auf  nackte Männerbäuche. Dorthin, wo der Bauchnabel sitzt.

Wolfgang Gronemeyer hat die schwarze Frackjacke bereits auf den Hüften hängen. Etwa auf gleicher Höhe prangt eine grüne Fliege. Kristian Hoffmann, Vorsitzender der Schützengesellschaft, versucht verzweifelt, zwei riesige (Papier-) Augen mit doppeltem Klebeband einigermaßen parallel auf seiner Brust zu platzieren, während sich Torsten Riesenberg und Wolfgang Hanning  bereits einen Spaß daraus machen, sich mit ihren falschen (Bauch-) Nasen zu necken.

„Ein bisschen höher Schatz“, ruft Nicole Hunke ihrem Liebsten zu, als der seinen rosa Ersatzzinken auf den Nabel setzen will. „Und das alles für fünf Minuten“, stöhnt Wolfgang Gronemeyer theatralisch während er sich ob des schmerzhaften Ziepens wohl an Bernd Stelters Lied „Ich hab drei Haare auf der Brust, ich bin ein Bär“ erinnert fühlt. „Interessant“ hätte Gronemeyer es gefunden, „wenn die Frauen das hier machen würden“. Diesmal aber sind die Männer am Zuge.

Die Grün-Weiße-Nacht gehört traditionell dem amtierenden Königspaar. In diesem Jahr dürfen Frank Becker und Margot Meschede-Ellis ganz vorne Platz nehmen, als um kurz vor 22 Uhr das Rätsel gelüftet wird, was sich die Throngemeinschaft denn diesmal als Gaudi ausgedacht hatte.  Schon der erste Blick auf die „Thronpfeifen“, die mit ihren verrutschten Gesichtern, auf denen  überdimensionale Zylinder prangen, an der Hand der Throndamen in den Saal einmarschieren, ruft kreischendes Gelächter hervor.

Kaum einkriegen wollen sich die Besucher dann, als jeder der Herren beim Bäuchetanz  einen individuellen Auftritt hinlegt. Zu immer wieder anderen Hits, die das Bora-Discoteam einspielt, kreisen die Gesichtsbäuche und verändern ihre Mimik. Der Saal bebt und will immer noch mehr. Also ziehen die Bäuche noch einmal ein, denn „heut ist so ein schöner Tag“. Der zieht sich dem Vernehmen nach bis in die frühen Morgenstunden hinein.


Die Sache mit dem Schwein

Beim Ausflug der Unteroffiziere ist es zum ersten Mal gefüttert worden. Weitere Nahrung fand das dicke weiße Sparschwein, auf dem in Grün die Zahl 2015 zu lesen ist,  jetzt   bei der Grün-Weißen  Nacht. Die Schützengesellschaft Oerlinghausen von 1590 feiert in zwei Jahren ihr 425-jähriges Bestehen. Für die Verpflichtung von Kapellen und weiterer Ausgaben soll der Grundstock mit den Spenden schon frühzeitig gelegt werden.  „Das Schwein wird künftig bei jeder Veranstaltung dabei sein“, kündigte Major Peter Meier an.

Quelle: Neue Westfälische