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Jul 02

Der Holzboden des Festzeltes bebt

Gute Laune garantiert: Beim Auftritt im Oerlinghauser Schützenzelt versetzt Reiner Irrsinn das Publikum mit bekannten Schlagern in Hochstimmung. Wieder einmal

Mittendrin: Im Laufe der Show wurde es Reiner Irrsinn doch zu warm, so dass er seinen dicken weißen Flokati-Mantel auszog. Hier animiert er gerade das Publikum zum Schunkeln.

Er hat es wieder getan. Nachdem er im vergangenen Jahr erstmals für Stimmung sorgte, ist der Sänger Reiner Irrsinn am Samstagabend erneut beim Schützenfest aufgetreten. Und im großen Zelt am Steinbült brachte er den Holzboden einmal mehr zum Beben.

Bei seiner Show trägt Reiner Irrsinn gern dick auf. Nicht nur bei der Kleidung. Es müssen schon die Klänge der Europahymne „Ode an die Freude“ sein, wenn er einmarschiert und die Bühne entert. Das ist der Platz, an dem er sich sichtlich wohl fühlt und den er voll ausfüllt. Doch die Fläche wird ihm schon bald zu klein. Der Sänger in seinem weißen Eisbärmantel steigt herab ins Publikum, sucht die Nähe zu den Fans, umarmt sie, posiert gemeinsam für Selfies. Schließlich bittet er drei Mädels aus der ersten Reihe nach oben, die das Rampenlicht dort sehr genießen.

Begleitet von den Sängerinnen Saskia und Steffi in weißen, netzartig durchbrochenen Sommerkleidern jagt der Entertainer die Schlagerparade rauf und runter. Ohne Pause geht es quer durch die Jahrzehnte, von den 70ern bis heute. Der 45-Jährige bedient sich bei den Erfolgstiteln. Auf Klaus Lage („Tausend Mal berührt“) folgt Roland Kaiser („Joana“). Jürgen Drews („Ich bau dir ein Schloss“) ist noch nicht ganz verklungen, da setzt schon „Atemlos“ von Helene Fischer ein. Wichtig ist, dass der fast immer gleiche Disco-Stampf-Rhythmus eingehalten wird.

Reiner Irrsinn fordert die begeisterten Fans immer wieder auf, doch näher zu kommen, mitzuklatschen, die Hände zu heben. Er weiß, wie man das Publikum auf Touren bringt. Fast alle kennen die Texte, singen mit. Selbst so scheinbar antiquierte Titel wie „In München steht ein Hofbräuhaus“ und das „Kufsteinlied“ kommen zu Ehren. Der Sänger beginnt zu schunkeln, und der ganze Saal macht mit.

Der Gesang wird fast nebensächlich. Reiner Irrsinn, der eigentlich Dirk Schaller heißt und als Friseurmeister in Nordhessen lebt, geht es um mehr. Er möchte Freude bereiten. Es ist ein Spiel, das gelegentlich die Grenze zur Ironie überschreitet. Er liefert eine Show ab, die den Ärger mit dem Chef ebenso vergessen lässt wie die Enttäuschung über die schwache Leistung des deutschen WM-Teams. Reiner Irrsinn geht es vor allem darum, notorisch gute Laune zu verbreiten. Und das ist ihm im Festzelt bestens gelungen.

Quelle: Neue Westfälische