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Jun 25

Helpuper Grundschüler landet unverhofft auf dem Kinderthron

Kinderschützenfest: Nach sieben Durchgängen steht Benjamin Brand als neue Majestät des Schützennachwuchses in Oerlinghausen fest. Dabei will er gar nicht König werden.

Stolz und Freude: Oberstadjutant Tobias Nixdorf, Oberst Jens Hartmann und Markus Höhne (hintere Reihe, v. l.), Leiter des Unteroffizierskorps, freuten sich mit Kronprinzenpaar Daria Bunte und Felix Adam (mittlere Reihe, v. l.), Zepterprinzenpaar Leonie Heidbrede und Moritz Becker sowie Apfelprinzenpaar Sierra Lee und Torben Becker. In der ersten Reihe stehen, wie sich das gehört, Königin Alessia Holzkämper und Kinderkönig Benjamin Brand.

„Es ist alles runtergefallen, was runterfallen kann“, verkündet Oberst Jens Hartmann, nachdem der hölzerne Vogel zerlegt ist. Zum neuen Kinderschützenkönig ruft er Benjamin Brand (10) aus. Der Regent fühlt sich jedoch in seiner Rolle gar nicht wohl. „Das war gar nicht mein Ziel“, sagt er.

Wie gewohnt beginnt das 93. Kinderschützenfest am Sonntag auf dem Rathausplatz. In einer Kutsche sitzend führen Lars Unterkötter und Lara Sander, das Kaiserpaar des Vorjahres, den Festzug an. Junge Jazztänzerinnen des TSV Oerlinghausen mit bunten Pompons, Flötenspielerinnen und Trommler des Spielmannszuges der Schützengesellschaft sowie die Blaskapelle Humfeld schließen sich an.

Aus reiner Neugier gehen auch Benjamin Brand sowie seine Freunde Luca und Mauritz mit. „Wir wollten eigentlich nur Spaß“, sagt der spätere Kinderschützenkönig. Auf dem Schützenplatz am Steinbült hat das Unteroffizierskorps etliche Geschicklichkeitsspiele, ein Kinderkarussell (gesponsert von der Juxtruppe MSKK) und eine Hüpfburg (organisiert von Sören Grote) aufgebaut. Für seine Verdienste um die Organisation des Kinderschützenfestes zeichnet der Westfälische Schützenbund Thorsten Kerkhoff mit der Goldenen Verdienstnadel aus. Olaf Ziese, Geschäftsführer des Schützenkreises Bielefelder, überreicht ihm die Auszeichnung.

»Und dann habe ich plötzlich getroffen«

Während sich die meisten anderen Kinder bei den Spielen vergnügen, reihen sich die drei Freunde also geduldig in die Warteschlange vor dem Schießstand ein. Sie gehen die Sache gelassen an. „Wir haben dann verabredet, dass wir uns gegenseitig helfen“, sagt Benjamin. Es klappt auch ganz gut.

Beim siebten Durchgang war es dann beim 76. Schuss soweit. „Luca hat ganz gut vorgelegt. Dann kam Mauritz, der hat mit seinem Schuss ein bisschen nachgeholfen – und dann habe ich plötzlich getroffen. Dabei wollte ich doch gar nicht König werden.“ Es gelingt ihm, den noch großen Teil des Restadlers zu erlegen.

Der neue Kinderkönig besucht „nur noch wenige Wochen“ die Grundschule Helpup. Seine große Leidenschaft gilt dem Fußball; er spielt beim TSV Oerlinghausen. Trotz der Überraschung findet er seine Königin, ohne lange überlegen zu müssen. Seine Schulfreundin Alessia Holzkämper (10) wird ihn jetzt ein Jahr auf dem Thron begleiten.

Apfelprinz ist Torben Becker, der das Zeichen der Macht mit dem 20. Schuss traf. Zur Prinzessin wählt er Sierra Lee (9). Mit dem 22. Schuss sichert sich Moritz Becker das Zepter, als Prinzessin begleitet ihn Leonie Heidbrede. Die Krone schießt Felix Adam (12) ab. Er gehörte dem Thron bereits im Vorjahr als Zepterprinz an. Er macht Daria Bunte (13) zur Kronprinzessin.

Grün-silberner Orden an der Halskette

Bei der dann folgenden Proklamation verfolgt Anne-Kathrin Strube aufmerksam das Geschehen. Ihr kommt der Ablauf sehr bekannt vor, denn vor genau 40 Jahren war sie an derselben Stelle die Kinderschützenkönigin gewesen.

An die näheren Umstände kann sie sich noch genau erinnern. „Der frisch gebackene König kam mir auf der Treppe entgegen“, erzählt sie. „In dem Moment meinte sein Freund: ‚Nimm die doch‘. Na, und so bin ich es dann geworden.“ Es sei eine sehr schöne, prägende Zeit gewesen. „Am besten war jedoch das Schützenfest ein Jahr danach. Da war ich ja vorbereitet und habe ein schönes Kleid getragen.“

Seit jener Zeit blieb sie der Oerlinghauser Schützengesellschaft eng verbunden. Das Kinderschützenfest sei einfach eine tolle Sache. „Und es läuft immer noch genauso ab wie vor 40 Jahren“, sagt Anne-Kathrin Strube. An ihre Zeit als Majestät erinnert sie immer noch ein kleiner grün-silberner Orden, den sie an einer Halskette trägt.

Quelle: Neue Westfälische