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Jul 08

Königspaar strahlt wie die Sonne

Mehr als 2.000 Besucher feiern mit „Grace“ bis in die frühen Morgenstunden

Marion Hochwald hat ihre Nichte Lina Krause auf die Kutschfahrt mitgenommen. König Rolf Hilker hat seine Enkelinnen eingeladen. Die Königin hat ein schwarzes Kleid und eine helle Jacke gewählt. Gut gelaunt geht es durch die Stadt. - © FOTOS: KARIN PRIGNITZ

Marion Hochwald hat ihre Nichte Lina Krause auf die Kutschfahrt mitgenommen. König Rolf Hilker hat seine Enkelinnen eingeladen. Die Königin hat ein schwarzes Kleid und eine helle Jacke gewählt. Gut gelaunt geht es durch die Stadt.

Dass er im vergangenen Jahr König der Oerlinghauser Schützen werden würde, hatte Rolf Hilker eigentlich gar nicht geplant. Erst als Marion Hochwald zusicherte, als Königin an seiner Seite stehen zu wollen, rupfte der Wirt der Stadtschänke den hölzernen Adler Schuss für Schuss. Ein Jahr später würde Rolf Hilker seinen langgehegten Traum am liebsten weiterträumen. Geht aber nicht, denn schon morgen wird ein anderer die Regentschaft übernehmen.

„Wir danken mit einer Träne im Auge ab“, bestätigte das Königspaar, bevor es dem Schützenvolk aus der mit bunten Blumen geschmückten Kutsche heraus zuwinkten. „Ein wunderbares Jahr, auch dank unserer Throndamen, die sich so viel haben einfallen lassen“, sei es gewesen. „Ich hatte es mir nicht so intensiv und schön vorgestellt“, sagte Hilker und erinnerte etwa an das Straßen-Banner mit der Aufschrift „Rolfs Königskurve“ oder zwei CD-Aufnahmen mit der Throngemeinschaft. „Das war ein Riesenspaß.“

Den hatten die Besucher am Samstagabend auf dem Schützenplatz. Mit den fetzigen Rhythmen der neu engagierten Top-40-Band „Grace“ ließen sie sich bis zum frühen Morgen durch die sommerliche Nacht treiben. Jochen Schneider war dem Vernehmen nach diesmal nicht der letzte Schütze, der das Festzelt verließ. Schließlich hatte der Chef der 1. Kompanie einen ganz besonderen Gast zu betreuen.

Klaus Eder, den Schneider und Schützenbruder Frank Krause im Skiurlaub kennengelernt hatten, „wohnt bei uns im Garten“. Vier Monate unterrichtet der Österreicher Skiläufer, den Rest des Jahres fährt er mit Fahrrad und Anhänger durch die Welt. „Ein sensationeller Typ“, der unbedingt beim Schützenfest dabei sein wollte.

Das erlebte seinen ersten Höhepunkt beim Großen Zapfenstreich. „Sensationell“ und so gut wie kaum einer vor ihm habe Patrick Bockwinkel seine Aufgabe gemeistert, lobte der 2. Vorsitzende Christian Landerbarthold. „Eiskalt über den Rück gelaufen“ sei es ihm. Und manch einer fragte sich, woher der Zapfenstreich-Führer denn plötzlich so eine laute Stimme habe. Die Antwort klingt plausibel: „Elf Jahre Südtribüne im Dortmunder Westfalenstadion.“ Das schult.

Neues hatte die 4. Kompanie vorbereitet. Der langjährige Spieß Wolfgang Ahring gab sein Amt an Ihno Zimmermann ab. Für die Mitglieder der „blauen“ Kompanie gab es aus diesem besonderen Anlass blaue Federn an die Hüte und blaue Rosen ans Revers. Eine andere Farbe als Grün, das irritierte so manch einen Schützen und selbst Major Peter Meier war -womöglich auch wegen der intensiven Sonneneinstrahlung auf dem unbeschatteten Rathausplatz – zwischendurch „total durcheinander“.


Kamelle für die Kinder und unvergleichlich niedrige Bierpreise

  • Kristian Hoffmann hat in den Schützenannalen geblättert und herausgefunden, dass ein Glas Bier vor 60 Jahren 35 Pfennige kostete und der Jahresbeitrag sechs D-Mark.
  • Im Jahr 1953 war bei der Generalversammlung beschlossen worden, dass jeder Schützenbruder im Festumzug eine Joppe tragen sollte. Das hat sich bis heute nicht geändert. Und wenn die Sonne noch so heiß vom Himmel scheint, in Oerlinghausen wird geschwitzt.
  • Wie in jedem Jahr hatte das amtierende Königspaar bei der Goldschmiede Hess & Rickert einen Erinnerungsorden für die Königskette fertigen lassen. Der ist in diesem Jahr besonders gelungen. Er bildet die Stadtschänke mit einem Kegel daneben ab.
  • Dass Bierkönig Frank-Michael Teckentrup über eine starke Rückenmuskulatur verfügt, stellte er beim Festmarsch des Schützenfestes in Lage unter Beweis. Nahezu alle Bonbons, die die Königspaare aus ihren Kutschen herausgeworfen hatten und die noch nicht eingesammelt worden waren, griff Teckentrupp während des Marsches vom Straßenbelag und verschenkte die „Kamelle“ an an der Seite stehende Kinder.

Quelle: Neue Westfälische