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Jul 09

Frank Becker regiert

Wie das Königsschießen mit Hilfe der Juxtruppe MSKK zur Party wird

Was würde Wencke Myhre wohl dazu sagen: Sie steht vor hunderten von Schützen und Gästen auf der Bühne in Oerlinghausen, mit Haaren an den Beinen und Stoppeln im Gesicht. Dazu trägt sie das Festkleid der amtierenden Königin und singt ihren Hit „Beiß nicht gleich in jeden Apfel“. So parodiert sie Christian Hochwald in der Pausenshow des Königsschießens.

Für das Kleid hat Hochwald, dessen Ehefrau Marion Schützenkönigin ist, eine Erklärung. „Es sieht dem Kleid sehr ähnlich. Wir haben halt beide einen guten Geschmack und den gleichen Schneider“, sagt er. Seine Parodie ist Teil der Show der Mobilen Schützen Katastrophen Kolonne (MSKK). Traditionell bringen die etwa 25 Mitglieder der Oerlighauser Schützengesellschaft während der Schießpause am Montagmorgen eine Stunde lang das Publikum in der Festhalle zum Beben – mit Gags und fetziger Musik.

In diesem Jahr sind Märchen dran. Die Idee für das Grundgerüst der Show hatte wieder einmal Herbert Heißenberg, der als gestiefelter Kater, oder „Pussy in Boots“ durch das Programm führte. Mit spitzer Zunge. Auf das Motto sei er gekommen, weil es im Oerlinghauser Rat in diesem Jahr einen Märchenerzähler gegeben habe, sagt Heißenberg. Eine Anspielung auf ein Mitglied der Freien Wähler, der die Bürgermeisterin mit einem Video fälschlich verdächtigt hatte. Dabei wisse doch jeder Schütze, „wenn man feuchtes Pulver hat, soll man nicht schießen“.

Und schließlich ist Grimm-Jahr. Deren Märchen bildeten den Grundstock. Die MSKK-Mitglieder verorteten sie an bekannte Plätze in Oerlinghausen. Vom Amtsgarten bis zum „Pariser Platz“, dem Parkplatz am Naturfreundehaus. Zu jedem Märchen gab es das passende Musikstück. Schlager natürlich. „Das wollen die Leute an so einem Tag hören, da gehen sie mit“, sagt Heißenberg. Und sie gingen. Noch verhalten, als Lutz Gronemeyer, der am Montag seinen 25. Geburtstag feierte, alias Roy Black und und Bierkönigin Renecia Fillies alias Schoko Crossie „Ganz in Weiß“ vortrugen. Schon ausgelassener, als Stefan Heißenberg (Rapunzel) und Volker Nehrlich (Udo Jürgens) an der „Bumstonne“ Rapunzel zum Besten gaben. Statt blonder Haarpracht der Schönen prangte ein Wischmob auf dem Kopf. Rapunzel sah aus wie ein ungepflegter Langhaardackel.

Aus Dornröschen wurde Dornmöschen – wegen des Mooses am Alten Steinbruch. König Rolf Hilker musste der Schlafenden Schnaps eintrichtern, um sie zu erwecken. Vor dem Dankeskuss drückte er sich aber. Den verlorenen Schuh am Ehrenmal fand Ballermann-Sänger Mickie Krause (Ralf Klocke), dazu strippte Aschenbrödel (Stefan Heißenberg). Das Publikum war begeistert und sprang von den Sitzplätzen auf. Der humoristische Höhepunkt spielte sich aber am Märchenteich ab. Dort übten sich die Elfen Peter Meier, Lutz und Wolfgang Gronemeyer im Synchronschwimmen. Und getanzt wurde auch: Der böse Wolf forderte Bürgermeisterin Dr. Ursula Herbort auf. Was das zu bedeuten hatte, blieb unbeantwortet.


Bogenschütze sticht Konkurrenten aus

Der Schützenadler fiel früh. Mit dem 168. Schuss sicherte sich Frank Becker die Königswürde der Oerlinghauser Schützengesellschaft. „Es sind viele Späne geflogen“, sagte der neue Regent nach dem Wettschießen. Drei Schützen wollten König werden. Alles gute Schützen: Frank Becker, Oberst Jens Hartmann und Schießoffizier Udo Heidsiek. „Jens hat den Vogel ganz schön bearbeitet“, sagte Becker. „Ich hatte mir keine guten Chancen ausgerechnet.“ Becker wohnt in Bielefeld, ist 54 Jahre alt und im beruflichen Leben IT-Fachmann. Im Schützenleben Vorsitzender des Schützenkreises Bielefeld, dem die Oerlinghauser Schützengesellschaft genauso angehört wie der Sportbogenclub Sennestadt, für den Becker ebenfalls startet. Zu seiner Königin hat er Margot Meschede-Ellis gewählt. Die Insignien sicherten sich Christian Mohrenstecher (Apfel, 31. Schuss), Claudius Blume (Zepter, 44.) und Hans-Jörg Stisser (Krone, 47.).


Schützensplitter

  • Der Raum der Unteroffiziere im Festzelt wird von vielen Schützen genutzt, um die Hüte mit den langen Fasanenfedern sicher unterzubringen. Am Samstag zogen sich Bernd Oberschelp und David Clarke jedoch mit ihren Instrumenten auch in diesen Raum zurück, um noch ein wenig zu proben. Irgendwann kam jemand auf die Idee, die Tür zuzuschließen, ohne in den Raum zu schauen. Einige Zeit später sah man an der Milchglasscheibe Hände von innen. Clarke und Oberschelp wollten raus. Nach langem Suchen wurde der Schließer gefunden.
  • Sebastian Boer und Alen Cindric, Fußballer des TSV, nahmen zum ersten Mal in Joppe am Schützenfest teil. Und damit sie es nicht so weit zum Festplatz haben, schlugen sie ein Zelt im Garten von Lutz Gronemeyer auf.
  • Frank Krause ist nicht nur Chef der 4. Kompanie, der blauen, sondern er ist auch Handchirurg. Wer bei ihm in Behandlung war, ist leicht an der blauen Bandage zu erkennen – aber wahrscheinlich waren die weißen Verbände gerade nicht verfügbar.
  • Ein kurzer Knall, ein Stottern, dann blieb ein Cabrio beim Festumzug liegen und blies nur noch Qualm und Rauch in die Luft. Die Throndamen stiegen kurzerhand um.

Quelle: Neue Westfälische