Zuletzt aktualisiert am 1. Februar 2026
Die 41-Jährige ist neue Geschäftsführerin der Oerlinghauser Schützengesellschaft. Zum ersten Mal wird eine Frau in den Vorstand gewählt.
Es ist 21.39 Uhr, als Pit Jelen unter dem Tagesordnungspunkt „Verschiedenes“ vor die 148 Mitglieder tritt, die zur Generalversammlung der Oerlinghauser Schützengesellschaft in den Kastanienkrug gekommen sind. „Schützenschwestern, Schützenbrüder“, sagt Pit Jelen sichtlich gerührt und mit kleinen Freudentränen in den Augen: „Vor Euch steht ein ganz, ganz stolzer Papa“, spricht Jelen, dreht sich zum Vorstandstisch um und blickt seiner Tochter Nicole Jelen mit einem breiten Lächeln in die Augen.
Etwa eine Stunde zuvor hat die 41-Jährige dort an der Seite des Obersts und 1. Vorsitzenden Christian Landerbarthold, dem 2. Vorsitzenden Fabian Köster, dem Zahlmeister Ralf Seipt und Major Eike Kramer Platz genommen und komplettiert damit den geschäftsführenden Vorstand. Es ist das erste Mal, dass eine Frau in das Führungsgremium des Vereins gewählt wird. „Eine tolle, zukunftsweisende Entscheidung und ein Meilenstein für unsere Schützengesellschaft“, freut sich Christian Landerbarthold über das Votum der anwesenden Mitglieder.
Die müssen sich an dem Abend bei der Wahl einer neuen Geschäftsführerin/eines neuen Geschäftsführers zwischen zwei Kandidaten entscheiden, nachdem Amtsinhaber Markus Landerbarthold bereits vor einem Jahr angekündigt hatte, nach zwölf Jahren kürzertreten und seinen Posten abgeben zu wollen. Neben Nicole Jelen, die vom geschäftsführenden Vorstand vorgeschlagen wird, hatte im Vorfeld auch der amtierende Kaiser Sören Grote angekündigt, seinen Hut in den Ring werfen zu wollen. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde haben die Mitglieder die Wahl – und die entscheiden sich mit großer Mehrheit (108:34 Stimmen) für Nicole Jelen. „Ich kann es noch gar nicht richtig fassen. Ich bin so dankbar, dass die Versammlung mir das Vertrauen schenkt. Eine unglaubliche Ehre für mich“, freut sich die gelernte Rechtsanwalts- und Notarfachangestellte, die seit 14 Jahren bei Arvato/Bertelsmann im Bereich Rechts- und Mahnwesen arbeitet – und durch ihre berufliche Vorprägung geradezu prädestiniert für den Geschäftsführer-Job bei den Schützen ist.
Kerstin Irrgang wird zur Offizierin ernannt
Eine der ersten Amtshandlungen von Nicole Jelen wird die Neustrukturierung der Mitgliederverwaltung sein. „Die wollen wir digitaler, einfacher und leichter händelbar organisieren“, kündigt die Schützenkönigin von 2022/23 an. In diesen und anderen Punkten wird Jelen auf die tatkräftige Unterstützung von Kerstin „Kirsche“ Irrgang zurückgreifen können. Sie wird kurz nach der Wahl Jelens vom Vorstand zur Offizierin ernannt, womit sie ab sofort dem erweiterten Vorstand der Oerlinghauser Schützen (dem Offizierskorps) angehört und in Zukunft als Assistentin der Geschäftsführung fungieren wird.
„Da wir im geschäftsführenden Vorstand immer mehr administrative Aufgaben zu bewältigen haben, die viel Zeit fressen, wollen und müssen wir unsere Ämter breiter aufstellen“, erklärt Oberst Christian Landerbarthold die Idee dahinter. Daher wird der Vorstand fürs kommende Jahr eine Satzungsänderung vorbereiten, mit der Stellvertreter-Positionen für den Zahlmeister und die Geschäftsführung geschaffen werden sollen. Letztere soll perspektivisch dann auch Kerstin Irrgang bekleiden.
Beeindruckende Mitgliederzahlen
In ihren und in Nicole Jelens Händen liegt dann auch die Auswertung der Mitgliederstatistik, die an diesem Abend noch einmal Markus Landerbarthold vorträgt. Und die Zahlen sind wahrlich beeindruckend: 1.155 Mitglieder (785 Männer, 370 Frauen) hat die Oerlinghauser Schützengesellschaft aktuell. Das sind noch einmal 13 mehr als vor einem Jahr. Das Durchschnittsalter liegt bei 46,26 Jahren. „Den Wert hatten wir 2017 schon mal“, freut sich Markus Landerbarthold vor allem über viele Neueintritte junger Menschen. „Das zeigt mir, dass wir durch die Traditionspflege auf der einen, aber auch durch kontinuierliche Anpassungen und dem Ausprobieren von Neuem auf dem richtigen Weg sind“, sagt Oberst Christian Landerbarthold, der bei seinem Rückblick auf das vergangene Jahr zahlreiche Feste und Veranstaltungen aufzählt.
Besonders hängen geblieben sei dabei natürlich das Jubiläums-Kinderschützenfest, das 2025 seinen 100. Geburtstag gefeiert hatte. „Wir hatten einen Rekordbesuch von Kindern, Eltern und Großeltern auf dem Schützenplatz. Ein unfassbar schönes Bild, das ich so noch nicht gesehen habe“, sagt der Oberst und dankt allen Mitgliedern, Sponsoren und Unterstützern, die das möglich gemacht hätten.
Mariano Schmidtpott wird neuer Musikoffizier
Darüber hinaus darf der Vorsitzende bei der Generalversammlung einer ganzen Reihe von Mitgliedern gratulieren. Darunter sind zum einen die Vereinsmeister im Sportschießen (weiterer Bericht folgt) sowie die wiedergewählten Offiziere: Turnusmäßig stehen Daniel Schollmeyer, Lutz Gronemeyer, Marco Strunk, Frank Unterkötter, Timo Schilling, Sebastian Boer, Jan Gnaß, Udo Heidsiek und Pit Jelen zur Wahl, die allesamt in ihren Ämtern bestätigt werden und damit weiter dem erweiterten Vorstand angehören.
Das gilt auch für Markus Landerbarthold, der nach dem Ausscheiden als Geschäftsführer ebenfalls ins Offizierskorps gewählt wird und dem Schützenverein künftig in anderer Funktion zur Verfügung steht. Klar ist auch die neue Aufgabe von Mariano Schmidtpott, der zum Musikoffizier ernannt wird und sich zusammen mit Felix Baehr und Timo Schilling um die Betreuung der Musikkapellen kümmern wird.
Bürgermeister kündigt Sportstäten-Entwicklungskonzept an
Bei den Berichten aus den Abteilungen vermeldet Lutz Plaß, Chef der Bogensportler, eine gute Entwicklung und reges Interesse. Sportlich hatte Kristina Hummel mit ihrer Vize-Landesmeisterschaft aufhorchen lassen. Und auch die Kreismeisterschaften werden dieses Jahr in Oerlinghausen stattfinden. Aber: „Leider suchen wir immer noch ein passendes Gelände, wo wir unsere schweren Zielscheiben nicht immer auf- und abbauen müssen, sondern feststehen lassen können“, sagt Plaß. Diesen Ball greift Bürgermeister Peter Heepmann auf, der im Verlaufe des Abends die Grüße des Rates und der Stadt Oerlinghausen überbringt, und kündigt die Erarbeitung eines Sportstätten-Entwicklungskonzepts an. „Genau solche Bedarfe wollen wir damit ermitteln und Lösungen finden“, erklärt Heepmann.
Für die Schießsportler berichtet Abteilungsleiter Bastian Dawitz, dass wieder mehr Mitglieder zum Training kämen und der Stand insgesamt gut genutzt werde. „Das war eins meiner ersten Ziele, die ich bei meiner Amtsübernahme vor einem Jahr erreichen wollte – und das haben wir geschafft“, freut sich Dawitz, der außerdem eine Rekordbeteiligung bei den Vereinsmeisterschaften vermeldete.
Schützenjugend organisiert WSB-Jugendcamp in Leopoldshöhe
Etwas Besonderes hat in diesem Jahr auch die Schützenjugend vor, die gemeinsam mit einigen Nachbarvereinen das mehrtägige Jugendcamp des Westfälischen Schützenbundes ausrichten wird. „Das wird im Juli am Schulzentrum in Leopoldshöhe stattfinden“, berichten Niklas Kramer und Jan Gnaß. Gleichzeitig bitten die beiden Leiter der Schützenjugend um tatkräftige und finanzielle Unterstützung des Camps, das sicherlich für viele Jugendliche ein Highlight werde.
Am Ende der Generalversammlung darf nach der Wortmeldung ihres gerührten Vaters dann doch noch mal die neue Geschäftsführerin ans Mikro – und die obligatorische Frage an die Versammlung stellen, ob man denn auch 2027 ein Schützenfest feiern wolle. Die Antwort fällt – wer hätte das gedacht – eindeutig aus: „Ja!“, schallt es ihr entgegen.
