Zuletzt aktualisiert am 19. Januar 2015
Manche Männer und die Throndamen haben eine wichtige Aufgabe

Die Grünholer: Dirk Ciesla (v. l.), Herbert Kochsiek, Uwe Friedrich, Michael Meier, (noch ein) Uwe Friedrich, Klaus Christians, Robin Grote, Thorsten Kerkhoff, Nikolas Hanke, Markus Höhne, Reinhard Jüttner und Manni Frerk starten mit Scheren und Sägen in den Händen zum Schneiden des Eichenlaubs.
Mit kritischem Blick schaut Markus Höhne gen Himmel. „Das gibt gleich ordentlich Regen.“ Aber egal, sagt der Chef des Unteroffizierskorps der Oerlinghauser Schützengesellschaft und klettert als Letzter von zwölf wetterfest gekleideten Schützen in einen großen Traktoranhänger. Darauf hat Nikolas Hanke nur noch gewartet und gibt am Steuer seines Treckers Gas. Jetzt geht’s los zum Grünholen.
Es ist der Tag des sogenannten Bindeabends, an dem die festlichen Eichenlaub-Girlanden für das Schützenfest hergerichtet werden. Das Material dafür besorgen die Grünholer der Schützen, die sich trotz der dunklen Wolken am Himmel gut gelaunt den Fahrtwind ins Gesicht wehen lassen. „Wer gleich am wenigsten arbeitet, der wird bei der Rückfahrt als Galionsfigur an die Traktorgabel gebunden“, scherzt Dirk Ciesla, dem wie den anderen auch immer wieder Wasserspritzer von den sich drehenden Traktorreifen ins Gesicht fliegen.
Nach einer kurzen Strecke ist das Ziel, eine Schonung bei Dalbke, erreicht. Gekonnt steuert Hanke sein großes Gefährt über einen schmalen Waldweg, bevor unzählige Eichen auftauchen. Da keiner scharf darauf ist, auf der Rückfahrt die Galionsfigur zu spielen, geht es sofort zur Sache: Vom Anhänger heruntergeklettert, schwärmen die Schützen aus, sägen mit Genehmigung des Waldbesitzers nach kurzen Blicken Äste und Zweige aus den Bäumen. „Geh mal zu dem Dicken da vorne, damit ist die halbe Girlande schon gebunden“, juxt Thorsten Kerkhoff vom Anhänger herunter. Er nimmt mit Manni Frerk das geschnittene Grün in Empfang und stapelt es auf der Ladefläche. „Wie viel Laub wir brauchen? Gute Frage. Wir rechnen in Hängern, meist reicht einer“, sagt Höhne. Das Material muss für 42 Meter Girlanden reichen, die beim Schützenfest die Residenzen der Oerlinghauser Regenten Tilo Kochsiek und Eva Krause schmücken. „Die Pylonen, an denen beim Zapfenstreich am Samstag die Fackeln entzündet werden, bekommen wir mit dem heute gesammelten Eichenlaub aber meist auch noch verziert“, sagt Höhne, während er mit einer Gartenschere einen Ast in handlichere Stücke zerlegt. Mittlerweile schickt Petrus seine angekündigten Grüße in Form eines fiesen Nieselregens zu den Grünholern herunter. Nach kurzer Zeit ist jeder nass. Zum klickenden Geräusch der zuschnappenden Scheren gesellt sich ab und zu eine aufheulende Motorsäge, mit der Herbert Kochsiek etwas dickere Äste fix von dem Baumstämmen löst. Ast für Ast wandert auf den immer voller werdenden Anhänger. Trotzdem dauert es gut drei Stunden, bis ausreichend Grün zusammengetragen ist. Da alle fleißig mit angepackt haben, wird die Rückfahrt ohne Galionsfigur gestartet. Nur auf dem Anhänger ist es diesmal mit dem ganzen Eichenlaub auf der Ladefläche etwas kuscheliger.
Wieder auf dem Schützenplatz angekommen, werden die Grünholer von König Tilo Kochsiek, Königin Eva Krause und den Throndamen empfangen, die schon alles fürs Girlandebinden vorbereitet haben. Während Nikolas Hanke das gesammelte Grün vom Traktorhänger an eine Stelle auf der oberen Terrasse des Schützenplatzes kippt, gönnen sich die Grünholer ein Päuschen. Von den Throndamen mit Kaffee, Brötchen, Bienenstich und Kaltgetränken verwöhnt, geht’s wieder an die Arbeit. Die Männer rupfen aus dem großen Eichenlaub-Haufen die Äste heraus, schleppen sie zur Seite und schneiden mit kleinen Scheren 15 bis 20 Zentimeter lange Stücke mit vielen Blättern daran herunter. „Die Stücke müssen mindestens so lang sein, sonst haben es die Throndamen schwer beim Binden“, erklärt Höhne. Die Throndamen haben sich inzwischen an mehreren unter einem Zelt stehenden Tischen versammelt und bündeln die von Höhne & Co. geschnittenen Eichenlaubstücke zu Blätterbüscheln. Diese werden an Heinz und André Schindowski weitergereicht, die die Büschel mit Draht an langen Seilen befestigen. Nach und nach entstehen so die Girlanden, mit denen das Girlanden-Aufbau-Team am Freitag die Häuser von König und Königin schmückt.
Mittlerweile hat Petrus den Wasserhahn voll aufgedreht und lässt immer dicker werdende Regentropfen auf die Schützen und das Zelt der Throndamen herunterprasseln.
Während die Throndamen unter dem Zelt halbwegs trocken bleiben, hat sich die Nässe bei den Grünholern bis auf das Unterhemd vorgearbeitet. „Hoffentlich fängt das heute nicht noch an zu regnen“, sagt Höhne, ein Grinsen huscht über sein klatschnasses Gesicht, an dem Regentropfen herunterrinnen.
Quelle: Neue Westfälische